Krieg ohne Gewehre und Kanonen

Osnabrücker Zeitung , 25 Sept. 2003
Von Martina Binnig

Wie stellt man Krieg auf der Buhne dar, ohne Gewalt zu reproduzieren oder sie äs-thetisch zu hofieren?" Das ist für Thomas Münstermann eine zentrale Frage in seiner lnszenierung von "Im Westen nichts Neues". Die dreiaktige Oper von Nancy van de Vate (wir berichteten) nach dem gleichnamigen Roman von Erich Maria Remarque verlegt er deswegen vom Schlachtfeld weg in ein Altenpflegeheim. "Viele Phanomene menschlichen Verhaltens, die beim Militär vorkommen, findet man auch in Pflegeheimen", meint Munstermann. "Wo Menschen aus gewohnten Zusammenhangen herausgerissen werden und keine Perspektiven mehr sehen, passieren extreme Sachen" Zusammen mit Bühnenbildner Jan Bammes hat er Pflegeheime besucht und lässt die Handlung nun in einem typischen Aufenthaltsraum spielen.

Der Aufenthaltsraum werd jedoch immer mehr zum Seelenraum der Haupt-figur Paul Bäumer, der sich als alter Mann an den Krieg zurück erinnere. "Es gibt keine gewehre, Kanonen, Panzer oder Uniforme.zu sehen", so Müstermann, vielmehr gehe es ihm darum. "was Krieg in der Kultur anrichtet und in den Seelen verwundet". Und er verweist auf das Vorwort, das Remarque seinem Buch vorangestellt hat: "Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde - auch wenn sie seinen Granaten entkam." .Außerdem ist Münstermann daran gelegen, mit der Oper der Amerikanerin van de Vate einer amerikanischen Stimme Gehör zu verschaffen, die im Hinblick auf den Irak-Krieg "eine Form von Nachdenklichkeit repräsentiert"-. Auch die Koppelung mit der Premiere "West Side Story", in der ebenfalls Gewalt in der Gesellschaft thematisiert wird, sei kein Zufall: "Einerseits das rasante Musical, andererseits die Verarbeitung eines seelischen Traumas."

Die musikalische Leitung von "Im Westen nichts Neues" hat der kommissarische Generalmusikdirektor Hermann Bäumer inne. Bäumer wurde für ein Jahr von seinen Ptlichten als Posaunist bei den Berliner Philharmonikern freigestellt und ist mit Beginn der Spielzeit 2003/2004 nach Osnabrück gekommen. Als "zwar düster, aber sehr farbig" empfindet Bäumer die Musik van de Vates "Unglaublich stark" findet er die Schlusstakte der Oper, die mit dem Anfang identisch sind: "Man hört dasselbe, aber unter völlig anderem Eindruck." Die Individuen und ihre Einzelschicksale stunden auch musikalisch im Vordergrund, etwa in den langen solistischen Rezitativen. Außerdem sei die Oper "ein beeindruckendes Gesamt-kunstwerk". Neben Hans Hermann Ehrich in der Hauptrolle wirken mit: Stefan Kreimer, Rudiger Yikodem Lasa, Tadeusz Jedras, Giorgi Gagnidze, Karen Fergurson, Nadine Weissmann u.a.

go back to press index page