TONTRÄGER: AUS OPER, BALLETT UND KINO

Peter Cossé, Musikzeitschrift, 6/ 1998

Zwei unterschiedliche publizistische Formalitäten prägen die diskographische Szene im Einzugsbereich der zeitgenössischen Musik: Zum einen handelt es sich um Initiativen gewissermaßen im Neuland kompositorischer Ambitionen, wie sie für das Label Vienna Modern Masters (VMM) charakteristisch sind, zum anderen geht es um die tonträgerische Aufarbeitung von Werken, die sich in den letzten Jahren durchgesetzt haben. Hier werden die prominenten Firmen und Musiker aktiv - mit begründeter Hoffnung auf überregionales Interesse. Dennoch bleibt die Beschäftigung mit der Neuen Musik auf Tonträgern ein Abenteuer, dem man am besten mit ertschiedener, selbstkritischer Subjektivität begegnet. Auch wenn es Adorno nicht gern hören würde: Die avancierte Musik ihrer Zeit als jeweils jüngster Ausdruck geschichtlich-ästhetischer Prozessualität: hat sich längst von den gesellschaftlichen Verhältnissen emanzipiert, als die geschichtlichen Bedingtheiten nicht zu einer bestimmten, schon gar nicht zu einer einzigen Form des Konponierens führen. Jeder ist aufgefordert sich gleichsam privat auf den Weg zu machen und seine Vorlieben und Abneigungen zu sondieren.

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Das Regensburger Label Talking Music unterstützt solches ebenso wie Nancy Van de Vate mit ihrer CD-Reihe Vienna Modern Masters - jüngste Beweise, daß sie als Komponistin etwas zu sagen hat: eine Orchester-Suite aus Nemo und ihr 2. Violinkonzert.

Aus dem VMM-Katalog sind insbesondere hervorzuheben: Thüring Bräms: geierwallyge Naturlaute für Flöte und Tonband (Ara), Aaron Rabushkas Konzert für zwei Klarinetten und Orchester op. 20 mit satten, gerundeten Wohlklängen als Beispiele für schöne begriffliche Musik. Die Kammermusik der deutschen Komponistin Siegrid Ernst (*1929) belegen Fantasie in der thematischen Umsetzung, Temperament und starkes Bemühen, auch exotischen Besetzungen (Tenorsaxophon solo!) ein Höchstmaß an musikantischer Würde zu verleihen. In Einzelsätzen als erfreulich kunstsinnig, rege, interessiert und kommunikativ entpuppt sich das Schaffen des jungen österreichers Wolfram Wagner (*1962), der Wirkung als Konsequenz von sach-bezogener Intensität zu erzielen sucht.

 

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